Mein Vater ist ein Wolkenmann

Wolkenmann - CvdsSluisRezension nformationsdienst für Männer

Von Vaterabwesenheit ist häufig die Rede, auch in Kinderbüchern. Da geht es um Trennung und Scheidung, aber auch um Männer, die zu viel arbeiten und deshalb nur selten für ihre Kinder erreichbar sind. Eher vermieden wird das Thema “Tod des Vaters”. Und das, obwohl nach einer Schätzung des Psychologen Prof. Dr. Horst Petri in Deutschland jährlich mehr als 10.000 Väter nach ihrem Tod minderjährige Kinder hinterlassen.

Claudia van der Sluis nähert sich dem Thema sehr einfühlsam, beschreibt Tod und Trauer aus der Sicht und dem Erleben des 6-jährigen Bolle. Sein Vater ist seit langem krank und sehr müde. “Bald werde ich auf eine lange Reise gehen”, sagt er und deutet zum Himmel. Kurze Zeit später sinkt sein Sarg in die Erde, begleitet von einem Bild, das sein Sohn gemalt hat. Auf der anderen Seite der Erde kommt Papa wieder hervor und steigt in die Wolken. Abends, wenn Mama ihn zu Bett bringt, stellt er sich vor, daß Papa auf einer Wolke lebt, seinen Mantel an den Haken hängt, seine Aktentasche abstellt und von Stern zu Stern springt, manchmal auch auf den Mond. Dann besucht er Bolle und sie reden miteinander.

Bolle ist traurig über den Verlust – und er wird damit ernst genommen. Mit Mama schaut er Fotos von Papa an oder sie riechen zusammen an seinem Rasierwasser. Einmal setzen sie sich sogar in Papas Auto, das im Regen so traurig aussieht und halten ein Picknick. Auch mit seiner gleichaltrigen Freundin Lisa teilt er seine Erfahrung. Ihr Papa ist auch nicht mehr da, “im Ausland”, sagt die Mutter. Manchmal wird er wütend, stinkwütend, wenn ihm etwas nicht paßt. Da tritt er Onkel Paul vors Schienbein, weil der Papas Auto kaufen wollte. Oder er prügelt sich fast mit Tom, der geprahlt hatte, sein Vater sei ein Cowboy. Denn ein Wolkenmann kann schließlich viel mehr. Aber darf er denn mit Rik, Vaters altem Freund, Pirat spielen, so wie er es mit Papa getan hat?

Langsam vergeht der Schmerz, die Familie lernt, mit Trauer und Verlust zu leben, auch wieder nach vorn zu schauen. Aber Papa wird immer etwas besonderes sein und immer seinen Platz haben. In Bolles Herz und in seinem Zimmer. Denn Opa hat ihm einen Stein geschenkt, einen Mondstein aus Papas Sammlung.

Als ich das Buch ausgelesen hatte, glänzten meine Augen, sagt meine Frau. Und ich habe ein paar Tränchen verdrückt, vor Rührung. So liebevoll ist dieses Buch geschrieben, und so echt.

(Diese Rezension erschien zuerst in “switchboard – Informationsdienst für Männer)

Claudia van der Sluis, Berlin, 1999. Elefanten-Press,
DM 19,90 ISBN 3-88520-743-5 ab 6 Jahre

Himmlischer Vater

Bolle ist knapp sechs, als sein Papa stirbt. Eine große Reise werde er machen, erklärt dieser Bolle im Krankenhaus, und auf einer großen weißen Wolke fahren. Wenn einer nach Bolles Papa fragt, sagt er: Mein Papa ist ein Wolkenmann. So etwas kann Lisa nicht sagen. Sie ist vier und Bolles beste Freundin. Sie hat gar keinen Papa. Ihre Mama erzählt immer, Lisas Vater sei im Ausland. Damit Lisa auch endlich einen Papa hat, beschließen Bolle und sie, dass sie sich Bolles Papa teilen können, denn: Besser einen toten Papa als gar keinen, meinen die beiden. Eine knappe und sehr einfühlsame Geschichte über Tod und Vaterlosigkeit, erzählt aus der Sicht der beiden Kinder. Die kindliche Sicht und der unbefangene Umgang mit dem Unabänderlichen machen Mut. Für junge Leser ab etwa sieben Jahren. bkk
Claudia van der Sluis: Mein Vater ist ein Wolkenmann. Aus dem Niederländischen von Monica Barendrecht und Thomas Charpey. Ill. von Beate Fahrländer. Elefanten Press, Berlin 1999, 95 Seiten, 19,90 DM.